Archiv des Autors: stephaniegripentrog

Forschungsschwerpunkt: Geschichte des Religionsbegriffs

Ein reflektierter und explizit gemachter Religionsbegriff ist die conditio sine qua non für religionswissenschaftliche Forschung. Hierzu kann die Historisierung des Begriffes einen wesentlichen Beitrag leisten. Anknüpfend an die Arbeiten von Ernst Feil (Religio 1-4) wurde von 2010-13 daher ein gemeinsames, vom Schweizerischen Nationalfonds gefördertes Forschungsprojekt (mit Prof. Dr. J. Mohn, Ass. Prof. D. Johannsen und D. Atwood) zur Geschichte des Religionsbegriffs durchgeführt: „Religionskonzepte und deren ‚Verwissenschaftlichung‘ in der akademischen Religionsforschung und den benachbarten Diskursen im 19. und frühen 20. Jahrhundert“. Auf der Grundlage von für die bisherige Religionsforschung eher randständiger Textsorten –  psychiatrischen Klassifikationen und Fallgeschichten – arbeite ich dabei den psychologisch geprägten Religionsdiskurs in diesem Zeitraum heraus. Eine gemeinsame Publikation zum Thema unter dem Titel Genres der Verwissenschaftlichung von Religion. Grenzgänge und Disziplinierungen im 19. und frühen 20. Jahrhundert ist momentan in Arbeit. 

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Forschungsschwerpunkt: Psychologie und Religion

Im Zusammenhang mit meinen eher historisch ausgerichteten Forschungen zu Anormalität und Religion sowie der Geschichte der Verwissenschaftlichung des Religionsbegriffs stehen auch meine Arbeiten zur Frage nach dem Verhältnis von Psychologie und Religion. Dabei geht es jedoch nicht um eine (religions)psychologische Herangehensweise an den Gegenstand Religion, sondern um eine religionswissenschaftliche Beschreibung des gegenwärtigen Verhältnisses von psychologischen und religiösen Diskursen.
Themenfelder anhand derer sich diese Frage aus meiner Sicht beispielhaft konkretisieren lässt, sind die gegenwärtige Therapieszene im deutschsprachigen Raum, das Feld der sogenannten Transpersonalen Psychologie sowie die Debatten um sogenannte Nahtoderfahrungen. Insbesondere wenn nach neuen, nicht mehr institutionalisierten Formen von Religion in der gegenwärtigen Gesellschaft gefragt wird, sind diese Felder aus meiner Sicht hochgradig potentialreich für religionswissenschaftliche Forschung. Aus diesem Interesse ergibt sich für mich konkret etwa die Zusammenarbeit mit dem DVRW Arbeitskreis Religion und Medizin, die Ausrichtung einer Tagung und die Publikation eines Sammelbandes zum Thema Nahtoderfahrung sowie verschiedene Publikationen im besagten Themenfeld.

Forschungsschwerpunkt: Anormalität und Religion

Was verstand man im 19. und frühen 20. Jahrhundert unter Anormalität? Wie ließ sie sich psychologisch, aber auch religiös jeweils erklären? Wie wurde sie behandelt, wer war für sie zuständig und wo waren die Orte, an denen ihre Bearbeitung vollzogen wurde? Und wie lässt sich die Kategorie der Anormalität auch religionstheoretisch ausloten?
Ziel dieser Forschungen zur Frage nach Anormalitätsdiskursen im Rahmen meines 2013 abgeschlossenen Dissertationsprojekts ist die Beschreibung der Entstehungsgeschichte der Psychologie und Psychiatrie als Teil der europäischen Religionsgeschichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Im Zentrum des Interesses stehen dabei vor allem die religiösen Dimensionen dieses Verwissenschaftlichungsprozesses, der am Beispiel von Anormalitätsdiskursen und unter Bezugnahme auf T. Gieryns Konzept der ‚Grenzarbeiten‘ genauer analysiert wird.
Die diskursanalytische Perspektivierung des Themas zielt darauf, unterschiedliche Praktiken der Herstellung von wissenschaftlichen ebenso wie religiösen Geltungsansprüchen zu analysieren und ihre gegenseitige Verwobenheit in diesem Zeitraum aufzuzeigen.

Zur Publikation

Forschungsschwerpunkt: Religion und Revolution

Der sogenannte ‚Arabische Frühling‘ hat die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse im Nahen und Mittleren Osten grundlegend verändert. In westlichen Medien wurden die Ereignisse seit 2011 dabei zunächst positiv als Schritt hin zu einer Demokratisierung gewertet.
Die weiteren Entwicklungen verliefen dann jedoch sehr unterschiedlich: Sie reichten von der erfolgreichen Verabschiedung einer demokratisch geprägten Verfassung in Tunesien über die Restauration des alten Systems und einem erneuten Verbot der Muslimbrüder als terroristischer Vereinigung in Ägypten bis hin zum drohenden Staatszerfall in Syrien bei gleichzeitig steigender Einflussnahme radikal-islamischer Strömungen wie dem IS.
Mein Forschungsinteresse galt in diesem Zusammenhang bislang vor allem der medialen Rezeption der besagten Ereignisse im deutschen und europäischen Kontext mit besonderem Fokus auf der Darstellung von Religion. These ist, dass bereits bestehende Narrative von ‚Revolution‘ die europäische Rezeption und mediale Darstellung der Ereignisse im Nahen und Mittleren Osten 2011 und danach maßgeblich prägten und ‚Religion‘ und ‚Revolution‘ in ein ganz spezifisches Verhältnis zueinander setzten.

Im Rahmen meines Habilitationsprojektes möchte ich dieser Frage weiter in Richtung einer vergleichenden Analyse von Skripten von Revolution nachgehen. Die Überlegungen hierzu nehmen (vgl. hierzu auch Keith M. Baker, Dan Edelstein: Scripting Revolution, Stanford 2015) von der Annahme ihren Ausgang, dass Akteure von Revolutionen maßgeblich durch die Bezugnahme auf bereits bestehende Narrative von Revolution geprägt sind. Diese beeinflussen als Skripte auch das jeweils aktuelle Geschehen. Das Konzept vom Skript eröffnet daher eine äußerst interessante und vergleichend angelegte Perspektive für die religionswissenschaftliche Analyse des Verhältnisses von Religion und Revolution.