Forschungsschwerpunkt: Religion und Revolution

Der sogenannte ‚Arabische Frühling‘ hat die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse im Nahen und Mittleren Osten grundlegend verändert. In westlichen Medien wurden die Ereignisse seit 2011 dabei zunächst positiv als Schritt hin zu einer Demokratisierung gewertet.
Die weiteren Entwicklungen verliefen dann jedoch sehr unterschiedlich: Sie reichten von der erfolgreichen Verabschiedung einer demokratisch geprägten Verfassung in Tunesien über die Restauration des alten Systems und einem erneuten Verbot der Muslimbrüder als terroristischer Vereinigung in Ägypten bis hin zum drohenden Staatszerfall in Syrien bei gleichzeitig steigender Einflussnahme radikal-islamischer Strömungen wie dem IS.
Mein Forschungsinteresse galt in diesem Zusammenhang bislang vor allem der medialen Rezeption der besagten Ereignisse im deutschen und europäischen Kontext mit besonderem Fokus auf der Darstellung von Religion. These ist, dass bereits bestehende Narrative von ‚Revolution‘ die europäische Rezeption und mediale Darstellung der Ereignisse im Nahen und Mittleren Osten 2011 und danach maßgeblich prägten und ‚Religion‘ und ‚Revolution‘ in ein ganz spezifisches Verhältnis zueinander setzten.

Im Rahmen meines Habilitationsprojektes möchte ich dieser Frage weiter in Richtung einer vergleichenden Analyse von Skripten von Revolution nachgehen. Die Überlegungen hierzu nehmen (vgl. hierzu auch Keith M. Baker, Dan Edelstein: Scripting Revolution, Stanford 2015) von der Annahme ihren Ausgang, dass Akteure von Revolutionen maßgeblich durch die Bezugnahme auf bereits bestehende Narrative von Revolution geprägt sind. Diese beeinflussen als Skripte auch das jeweils aktuelle Geschehen. Das Konzept vom Skript eröffnet daher eine äußerst interessante und vergleichend angelegte Perspektive für die religionswissenschaftliche Analyse des Verhältnisses von Religion und Revolution.

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